BEGLÜCKT
Beglückt
Durch kleine Dinge:
Glocken, Vogelgesang und Helligkeit,
Fliederduft und eine leichte Brise.
Beglückt durch Buchenblätter, hellgrün im April,
durchs gelbe Rapsmeer unterm tiefen Blau,
einen unerwartet warmen Herbstwind,
und schneebedeckte Dächer, Sterne auf der Hand.
Beglückt am Meer
in tossender Brandung,
wenn das Salz ins Gesicht spritz
und die Masten sich neigen.
Beglückt im Abendrot
wenn Lerchen schwirren,
und die Tausend Augen unserer Stadt
allmählich werden wach.
Beglückt auch
durch die heiße Erbsensuppe,
durch den frischen Moselwein,
den wir uns mit Freunden gönnen.
Beglückt durch den Blick
des geliebten Auges
durch Berührung jener Hand,
durch bloße Anwesenheit.
Begeistert und beflügelt vom D-dur Akkord (1),
wenn Schwermut sich in Freude wandelt.
Besseelt von innerer Musik,
vom klaren Klingen des Kristalls.
Pause möcht' ich machen
Und genießen diesen Augenblick....
Beglückt und doch bestürzt:
Denn rasch vergeht das Glück.
Vorbei. Verklungen. Schon Vergangenheit.
Wie sollte ich am Glückesmut festhalten?
Zu Wehmut wird der Nachklang meines Glückes
Zu kurz, Zu schnell. Vorbei.
So möchte ich dem Augenblick gebieten:
“Verweile doch, du bist so schön!" (2)
Und dennoch: mehr als nur verweilen,
denn alle Lust will Ewigkeit--
--will tiefe, tiefe Ewigkeit! (3)
Vielleicht verbirgt der Augenblick
die wahre Ewigkeit:
denn die Erinnerung verewigt jede Lust,
uns künftig tiefer zu beglücken!
(1) Betthoven's Ninth Symphony in D minor switches in the fourth
movement to the human voice and Schiller's Ode "An die Freude"
in D major.
(2) Goethe, Faust II, Grosser Vorhof des Palastes, Fuenfter Akt,
Vers 11581-82.
(3) Nietzsche, Das Trunkne Lied: "O Mensch! Gib Acht!"
from Also Sprach Zarathustra, IV Teil. Gustav Mahler, Symphony Nr.
3 in D minor, IV Movement "Was mir die Nacht erzaehlt".
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